Beziehungsstatus Online

Herz
Immer wieder liest man in diversen Zeitschriften und Zeitungen, dass fast ein Drittel aller Österreicher Singles sind. Ich wundere mich oftmals über diese Statistiken, denn in meinem Freundeskreis gibt es keine Singles, weder Frauen noch Männer. Das wundert euch vielleicht, aber es ist tatsächlich so.

Da gibt es zum Beispiel Andi, er ist der Trendsetter unter meinen Freunden, ein Mingle. Der ideale Status des Mannes von heute, er lebt in einer unverbindlichen Partnerschaft. Andi hat die perfekte Pauschalbeziehung gebucht: Urlaube, lustige Freizeitaktivitäten am Wochenende oder Kurztrips nach Venedig und Paris all inclusive. Bei Alltagsgeschichten, Bekenntnissen zur Partnerin, Zukunfts- oder Familienplanung hat er das Recht auf Reklamation, denn dieses Zusatzpaket hat er ja nicht gebucht.

Klara dated am Montag Rene, am Dienstag Bernhard, am Mittwoch Jakob (oder doch Michael? irgendwie kann ich mir die ganzen Namen schon gar nicht mehr merken), am Donnerstag geht sie aus und sucht nach neuen Dates für die kommende Woche, am Freitag nimmt Klara meist eine Auszeit von den Männern, da ist Mädelsabend angesagt (schön für mich), am Samstag ist dann Michael (oder doch Jakob?) dran und am Sonntag ist die Verwirrung für mich komplett, denn da kann sie sich nicht entscheiden zwischen Mario, Hermann und Christian. Klara ist ein richtiger Männermagnet, sie stolpert von einem Date ins andere, keine Rede davon, dass sie Single ist, bei so vielen Männerbekanntschaften, oder!?

Meli ist mit dem Upload ihrer Fotos auf Facebook, Twitter, Instagram und Tinder so beschäftigt, dass man online mit ihr eher ins Gespräch kommt als bei einer zufälligen Begegnung beim Einkaufen oder im Fitnesscenter. Bei unzähligen Likes ihrer Bilder und schönen Komplimenten wie „geiles pic, babe“ kann man ihren Beziehungsstatus eher Online als Single bezeichnen.

Dann gibt’s da noch Daria. Fragt man sie nach ihren Beziehungsstatuts, dann erzählt sie von ihren Männern auf Badoo, Friendscout, Websingles & Co. Daria ist mit so vielen Männern in Kontakt, dass ich sie kaum mehr zu Gesicht bekomme. Auch beim Weggehen begegnen wir uns nie, denn ihre Dates laden Daria zu Iphone, Tablet und Laptop ein. Manchmal gar keine schlechte Alternative. Man spart sich Make-up, Parfum und kann gemütlich in Jogginghosen und barfuß zum Date gehen, vorausgesetzt es ist keine Webcam im Spiel.

Ich frag mich ernsthaft, wo sind nun all die Singlefrauen und Singlemänner?! All jene, die Nachts wach liegen und sich einen Partner an ihrer Seite wünschen. All jene, die gerne die Verbindlichkeit einer Partnerschaft eingehen, weil sie wissen, dass verbindlich sein auch heißt, dass ich mich auf eine andere Person verlassen kann, dass sie mich unterstützt, mir treu ist und ich mit ihr all die Sorgen und Ängste, aber auch all die Freude und das Glück teilen kann. Wo sind die Singles, die sich einen Partner wünschen, um ihr Glück von einer Familie mit Kindern zu verwirklichen? Wo sind die Singles, denen Werte wie Liebe, Vertrauen, Treue und Respekt noch wichtig sind? Wo sind die Singles, die ihren Status vorübergehend benötigten, um Zeit für sich zu haben, damit alte Wunden verheilen können, nun aber wieder den Mut für eine neue Liebe haben, mit all den Risiken, Kompromissen, Höhen und Tiefen, die die Liebe in sich trägt?

Ich weiß nicht wo man diese Singlemänner bzw. Singlefrauen trifft. Aber ich bin mir sicher, irgendwo sind sie, all jene, die eine ernsthafte Beziehung eingehen wollen, die wissen, dass das Wort Liebe so viel mehr ist und dass die Liebe es ist, die unser Leben so schön und kostbar macht.

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4 Comments

  • Reply
    Peter
    19. August 2014 at 13:26

    Sie haben kein Vertrauen mehr in Liebe, Treue und Respekt…
    Sie wurden mehrfach enttäuscht oder/und ausgenutzt…
    Sie drehen sich ein paar mal im Kreis und sehen, das es anderen auch so ging oder geht…
    Und sie sehen das es kaum mehr wirklich funktionierende, auf lange Zeit glückliche
    Paare gibt.
    Dann die Fragen an sich selbst:
    Wozu dann noch fixe Beziehung?
    Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, eine lange wirklich glückliche Liebe zu finden?

    Dann die Wahl des sichersten und schmerzlosesten Weges:
    Schutzmauer aufbauen, keinen mehr wirklich ranlassen,
    aber nehmen was man kriegen kann, um zumindest die Bedürfnisse zu stillen,
    die man auch ohne echte Beziehung mit andersgeschlechtlichen abdecken kann…

    • Reply
      Doris
      14. November 2014 at 09:06

      Liebe Martina,

      ein toller Artikel. Aus eigener Erfahrung muss ich sagen, dass es genau so ist wie du schreibst. Ich nehme mich da mit ein ab einem gewissen Alter regiert die Angst und anstatt einmal eine gscheite Beziehung anzugehen versteckt man sich hinter alle möglichen halben Sachen und merkt eigentlich nicht wie wertvolle Zeit verläuft. Das schlimme daran ist allerdings, dass der Ausstieg aus diesem Kreislauf fast nicht möglich weil man dann ein kleines Fischlein ist welches gegen den Strom schwimmt und das kostet Kraft welche man neben Arbeit und Hobbies oftmals nicht mehr aufbringen kann. Ich finde diese Bewegung zum Halb-Status auch traurig. Wenns ein Rezept dagegen gibt lass es mich wissen….

      LG Doris

      http://www.dorisworld.at/2013/10/10/frau-sein-heute/

  • Reply
    doris
    8. März 2015 at 18:07

    Liebe Martina, ich wollte dir schon so lange mal auf diesen Blog-Beitrag von dir kommentieren. Dieser Beitrag spricht mir so aus dem Herzen. Ich frage mich auch so oft wo sind die ganzen Singles hin und vorallem wenn man welchen kennenlernt haben die meisten soviel Angst und so einen großen Rucksack, dass sie sich auf gar nichts mehr einlassen. Mich macht das immer ganz ganz traurig. Ich denke gemeinsam lässt sich doch ein Rucksack viel leichter tragen, aber das erfordert halt Koordination was ein bisschen einen Aufwand bedeutet. Der Aufwand lohnt sich allerdings weil wie gesagt der Rucksack leichter wird.

    Mittlerweile laufen soviele Singles herum die das noch nicht einmal in ihrem Leben gehabt haben, wie es sich anfühlt gemeinsam einen Rucksack zu tragen, dass es schön ist und somit sehen sie auch nicht den Sinn in der Aufwands-Investition. Das ist meine Erklärung dafür. Sei gedrückt und danke für den Beitrag. Doris http://www.dorisworld.at

    • Reply
      Martina
      9. März 2015 at 17:01

      Liebe Doris! Deine Worte haben mich sehr berührt, so ist es wohl – gemeinsam WIR – das ist das Schöne am Leben, leider bemerken das viele Menschen nicht oder wollen es nicht mehr riskieren, weil sie eben schon mal sehr verletzt wurden. Ich finde aber, es lohnt sich immer an die Liebe zu glauben und ein WIR ist wunderschön! Das Ego muss da natürlich mal hinten anstehen, aber es lohnt sich doch viel mehr, wenn Liebe im Spiel ist und ein WIR möglich gemacht werden kann! Ich wünsch‘ dir ganz bald ein WIR und drück‘ dich, Martina

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